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HBG Live

Was bei uns so abgeht

Schließfach öffne dich- oder auch nich´

 

Falls Du wissen willst, warum manche Schüler in letzter Zeit irgendwie gehetzter wirken und eventuell auch die Heizungen trotz momentaner Jahreszeit aufgrund von selbst erzeugter thermischer Energie nicht mehr gebraucht werden, erfährst du es hier!

Nachdem jedem Schüler in der Erprobungsstufe ein Schließfach inklusive passendem Schlüssel kostenlos zur Verfügung gestellt wird, hat man ab der siebten Jahrgangsstufe an unserer Schule die Möglichkeit, ein Schließfach zu mieten. Zwar muss für die Nutzung jedes Jahr ein gewisser Betrag bezahlt werden, allerdings bieten die Spinde den großen Vorteil, nicht jedes dicke Buch, das man nicht zu Hause und nur ab und zu wieder im Unterricht benötigt, mitschleppen zu müssen. Dadurch wird der Rücken stark entlastet.

Vor kurzer Zeit wurden die alten Schließfächer an unserer Schule gegen neue ersetzt.

Zuvor musste die persönliche Kombination auf komplizierte Art und Weise mit dem Zahlenschloss gedreht werden, was durchaus Gewöhnung bedarf. Gerade als neuer Spindbesitzer nahm das Öffnen allein gefühlt die halbe Pause ein und leicht übertreibend könnte man behaupten, dass danach mit leichtem Schwindel zu rechnen war, sooft wie links und plötzlich wieder rechts gedreht werden musste. Mich würde es nicht wundern, wenn Schließfachbesitzer des HBGs später riskante Autofahrer werden, die sich zutrauen, die eine Linkskurve auch noch zu nehmen, bevor die Ampel rot wird, resultierend aus dem Versuch, in Schulzeiten die Sache mit dem Schließfach vor Pausenschluss zu erledigen. Zu diesem Verdacht würde auch die Tatsache der Farbe der alten Schließfachschränke passen: Bei Grün darf man immerhin auf´s Gas drücken… Zwar wurde einem durch das nahezu komplexe Öffnungssystem das Gefühl vermittelt, dass der Inhalt wirklich sicher ist, immerhin würde garantiert kein Amateur auf diese Reihenfolge der Umdrehungen kommen, die nötig war, um die einzelnen Ziffern zu verbinden. Glatt könnte die These in den Raum gestellt werden, dass selbst ein bewährter Tresorknacker seine Schwierigkeiten hätte. Allerdings sei mal dahingestellt, ob der Inhalt interessant genug ist… Kein Buch mehr zu besitzen, aber die Verantwortung auf die nichteinbruchsichere Schule schieben zu können, mag für den einen oder anderen eine durchaus willkommene Ausrede sein. Zumindest bis zum Tag der Bücherrückgabe kurz vor den Sommerferien, bei der mit dem Einkaufswagen von Klasse zu Klasse gerollt wird.

Bisher wurde der Eindruck vermittelt, dass die Ersetzung der Schließfächer ausschließlich eine gute Sache ist. Ganz so kann man es aber auch nicht sagen. Das Eingeben selbst fällt jetzt sehr leicht, der Code muss einfach nur noch mit Tasten eingegeben werden. Aber man muss halt auch erst einmal hinkommen: Während zumindest ein Teil der alten Schließfachschränke im Treppenabgang des Treppenhauses zwischen Eingangshalle und Sekretariatstrakt stand, sind nun alle Spinde nur noch in der vorletzten Etage zu finden. Und um dahinzugelangen, müssen vier Treppen mit jeweils 12 Stufen genommen werden, das macht insgesamt 48 Stufen im Gegensatz zu den vorherigen 12 abwärts. Danach muss bei gemächlichem Tempo mit einer Pulsfrequenz von ungefähr 120 Schlägen pro Minute gerechnet werden. Wenn man nun morgens für die erste Stunde etwas aus dem Spind benötigt, allerdings erst 10 Minuten vor Stundenbeginn das Treppenhaus betreten darf, die 48 Stufen hochgehen, das Schließfach öffnen und wieder heruntergehen muss, im schlechtesten Fall noch in den Chemietrakt oder gar in die Dreifachturnhalle gelangen muss, hat man mit Sicherheit den Morgensport abgehakt (außer, wenn man dann eben notgedrungen auf dem Weg zur Turnhalle für die erste Schulstunde ist). Der Kreislauf ist jedenfalls in Schwung gebracht, allerdings wohl ebenso die 400 Schweißporen, die wir auf jedem Quadratzentimeter Haut besitzen, wie uns der Schulplaner eine Woche nach dem Schließfachwechsel mitteilte. Ob das ein Omen ist?

Könnte der neue Standpunkt nicht im entfernten Sinne sogar Mobbing wegen unkontrollierbaren Körperausdünstungen provozieren? Das wäre natürlich in keinem Interesse. Genauso wenig wie das durch die Beeilung erhöhte Stresslevel, das zu der Produktion von Hormonen wie Adrenalin führt, die bei zu hoher Konzentration, wie es in mancher Klassenarbeits- bzw. Klausurphasen sowieso schon der Fall ist, die Gesundheit schädigen. Nun gut, vermutlich ist das alles sehr weit hergeholt…

Letztendlich ist die neuere Technik wirklich eine Erleichterung für jeden Schüler, so richtig von Vorteil wäre es für die Mehrheit wohl aber, wenn die Schließfächer zentraler positioniert wären, zumal der vorige Standort ja auch nicht in anderer Hinsicht gebraucht wird. Die warmen Rot-Orange-Gelb-Töne würden sogar insofern noch einen Dienst erweisen, als sie den Kellerabgang etwas freundlicher gestalten würden. In den alten Zeiten der ehemaligen Schließfächer hatte man sich diesen Funken von Helligkeit in so mancher Pause gewünscht, in der mal wieder die Bewegungsmelderlampe ihren Geist aufgab und man inständig hoffte, dass keine Überwachungskamera auf einen gerichtet war, der die ein oder andere unbeholfene Bewegung im Versuch, die Lampe wieder leuchten zu lassen, aufgenommen hätte und im Internet wohl auch den ein oder anderen Klick erzielt hätte…

 

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