
Auf der Welt gibt es viele ungewöhnliche Traditionen. Eine davon findet man in einem kleinen Dorf in Mexiko. Dort spielt Coca Cola ein ganz besondere Rolle. In dem Dorf San Juan Chamula, was in dem Bundesstaat Chiapas in Mexiko liegt, ist Coca Cola nicht nur ein Softgetränk, sondern ein wichtiger Bestandteil der Religion, alten Traditionen und Kultur. In San Juan Chamula lebt ein indigenes Volk, die Tzotzil-Maya. In ihrer Stadt spielt Cola eine überraschend große Rolle.
Ihre Kultur verbindet alte Maya-Bräuche mit späteren Einflüssen aus Europa und der modernen Welt. In San Juan Chamula hat Cola einen unerwartet festen Platz bei religiösen Zeremonien. Die Menschen trinken dort häufig Cola. Sie glauben, dass das Aufstoßen durch die Kohlensäure dabei hilft, böse Geister aus dem Körper zu vertreiben. Deshalb verwenden viele Besucher und Einheimische während religiöser Rituale Cola, manchmal sogar statt traditioneller Opfergaben.
Dieser Brauch entstand, als westliche Produkte im 20. Jahrhundert nach und nach in die Region kamen. Coca-Cola wurde dort schnell beliebt und in bestehende religiöse Traditionen eingebaut. Heute gehört das Getränk für viele Menschen fest zu ihren Zeremonien.
Auch im Alltag ist Cola dort extrem verbreitet. In manchen Gemeinden trinken Menschen durchschnittlich über 2 Liter Cola pro Tag. Damit haben die Tzotzil-Maya pro Kopf den höchsten Cola-Konsum der Welt. Für viele Familien gehört das Getränk ganz selbstverständlich zu jeder Mahlzeit. Ein Grund dafür ist, dass Cola oft leichter zu bekommen ist als sauberes Trinkwasser. Außerdem ist das Getränk ein Statussymbol geworden. Wer Cola anbietet, zeigt Gastfreundschaft und Wohlstand.
Der hohe Konsum hat allerdings auch Folgen. Viele Menschen in der Region leiden an Krankheiten wie Diabetes oder Übergewicht. Ärztinnen und Ärzte sehen darin ein wachsendes Gesundheitsproblem, denn viele Familien sind gar nicht genügend über die Folgen ihres Cola-Konsums aufgeklärt. Trotzdem bleibt Cola für viele Einwohner ein wichtiger Teil ihres Lebens und ihrer Kultur.
San Juan Chamula zeigt, wie stark sich Traditionen verändern oder auch anpassen können. Ein weltweit bekanntes Softgetränk wurde dort in Religion, Alltag und Gemeinschaft integriert. Etwas in dieser Form und Stärke findet man kaum irgendwo anders auf der Welt. Das Dorf ist damit ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie globale Produkte und lokale Kulturen miteinander eins werden können.