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Wieso bringt eigentlich der Osterhase die Eier?

Osterhase Bild

Wenn die ersten Sonnenstrahlen das graue Winterwetter vertreiben und die ersten Blätter an den Bäumen wachsen, weiß man, es dauert nicht mehr lange: Ostern steht vor der Tür. Überall in den Schaufenstern und Gärten begegnet uns dann ein altbekanntes Gesicht mit spitzer Nase und langen Ohren. Doch habt ihr euch schon mal gefragt, warum ausgerechnet ein Hase die Eier bringt? Eigentlich ist das ein ziemlich seltsamer Job für ein scheues Feldtier.

Die Geschichte des Osterhasen beginnt nicht etwa in der Schokoladenfabrik, sondern in der Natur. Hasen sind die ersten Tiere, die wir im Frühjahr auf den Feldern hoppeln sehen. Da sie im März und April ihren Nachwuchs bekommen, gelten sie schon seit der Antike als Symbole für die Fruchtbarkeit und das Erwachen des Lebens nach dem langen Schlaf des Winters.

Doch der „echte“ Startschuss für den Osterhasen, wie wir ihn kennen, fiel erst vor gut 350 Jahren. Im Jahr 1682 tauchte er zum ersten Mal in einem medizinischen Text auf. Ein Arzt beschrieb damals, dass man Kindern in Süddeutschland erzähle, ein Hase würde Eier legen und im Gras verstecken. Was damals als „lustiges Märchen“ abgetan wurde, entwickelte sich schnell zu einem echten Hit.

Neben dieser weit hergeholten Theorie gibt es jedoch auch eine ganz bodenständige Theorie für seine Berühmtheit in Verbindung mit Ostern: Früher waren Eier im Frühling eine wichtige Währung. Die Bauern mussten ihre Steuern bzw. ihre Kosten an den Fürsten oft in Form von Eiern abgeben. Da sich zu dieser Zeit besonders viele Feldhasen auf den Äckern tummelten, vermischten sich in der Fantasie der Menschen die flinken Tiere mit den bunten Gaben. So entstand das Bild vom Hasen, der die Eier im Gepäck hat.

Wusstet ihr, dass der Hase nicht immer den Vorrang für Ostern hatte? Lange Zeit hatte er Konkurrenten. In einigen Regionen war es der Fuchs, in anderen der Storch oder sogar der Kuckuck, die für das Verstecken der Eier zuständig waren.

Doch der Hase hatte zwei mächtige Verbündete: Die Kunst und die Süßwarenindustrie. Maler und Buchautoren fanden den Hasen einfach niedlicher als einen Fuchs und als im 19. Jahrhundert die ersten Menschen begannen, Hasen aus Schokolade zu gießen, war das Rennen entschieden. Der Osterhase wurde zum weltweiten Superstar.

Heute wissen wir natürlich, dass Hasen keine Eier legen (und schon gar keine aus Vollmilchschokolade). Aber die Vorstellung von dem flinken Boten, der heimlich durch den Morgentau flitzt, um uns eine Freude zu machen, hat einen ganz eigenen Zauber bewahrt. Er erinnert uns daran, dass der Winter vorbei ist und die Welt wieder bunt wird.

Also, wenn ihr dieses Jahr ein Nest im Gebüsch entdeckt, denkt kurz an die lange Reise, die der Osterhase hinter sich hat – vom wilden Feldhasen bis hin zum berühmtesten Lieferanten der Welt.