
Sechs Wochen Sommerferien, zwei Wochen Weihnachten, Herbst, Ostern, das klingt nach einer Menge freier Zeit. Wie kommen Ferien zustande und woher kommt das Schulsystem? Die Antwort führt uns weiter zurück in die Geschichte, als man vermuten würde.
Das Wort „Schule“ stammt aus dem Griechischen: „scholē" – und bedeutet ursprünglich so viel wie Muße oder freie Zeit. Klingt anders als manche von uns es empfinden, oder? Dabei war Bildung in der Antike tatsächlich ein Privileg der Reichen, die sich eben diese freie Zeit leisten konnten. Einfache Leute arbeiteten, während die Oberschicht philosophierte und lernte. Im Mittelalter übernahmen vor allem Kirchen und Klöster die Bildung. Schreiben, Lesen und Latein wurden dort überwiegend gelehrt. Von einem geregelten Stundenplan oder gar Ferien war noch keine Rede.
Der eigentliche Wendepunkt war 1717 als Friedrich Wilhelm I. die Schule einführte. Dieses System wurde im 18. und 19. Jahrhundert verbessert und später von Preußen und in ganz Deutschland als allgemeine Schulpflicht eingeführt. Jetzt mussten alle Kinder in die Schule, auch die Kinder von Bauern. Und genau hier entstanden die Ferien.
Denn Bauernfamilien brauchten ihre Kinder dringend auf den Feldern. Die langen Sommerferien entstanden also nicht wegen Erholung, sondern wegen der Ernte. Ohne die Kinder als helfende Hände wäre vieles liegengeblieben. Auch die Herbstferien (Kartoffelferien) haben genau diesen Ursprung. Die Osterferien sind andererseits aus religiösen Feiertagen entsprungen.
Mit der Zeit verschwand die Landwirtschaft als Hauptgrund, jedoch blieben die Ferien trotzdem, nun aber tatsächlich zur Erholung. Heute sind sie gesetzlich geregelt, und jedes Bundesland bestimmt seine Termine selbst, damit nicht jedes Bundesland zur gleichen Zeit Ferien hat. Was damals als Privileg für wenige begann, ist heute für alle selbstverständlich.